Freitag, 12. August 2016

BUKO-Seminar: Honduras: Imperiale Lebensweise vs. Verteidigung der Gemeingüter

BUKO-Seminar, 15.10. Berlin. 
Eintägiges Seminar zu Green Economy, Modellstädten, Extraktivismus und dem Widerstand dagegen.

In der zentralamerikanischen ehemaligen "Bananenrepublik" Honduras verdichten sich seit dem zivil-militärischen Putsch 2009 wie unter einem Brennglas extreme Regierungs- bzw. Staatskrisen und extreme, privatwirtschaftliche "Lösungsvorschläge":

Nach dem Scheitern der sogenannten "Chartercities" unter eigener Gesetzgebung in Madagaskar, ist inzwischen Honduras, das Land mit einer der höchsten Mordraten der Welt, zum Experimentierfeld für dieses Modell extraterritorialer Modellstädte geworden. Sie heißen in Honduras nun "Sonderentwicklungszonen" und gleichen trotz einiger legalistischer Verbrämungen den abgeschotteten "LEAP Zones" Mark Klugmanns, also den "Legal economic, administrative, political jurisdictions" von Reagans und Bush ehemaligem Redenschreiber, der an zentralamerikanischen Privatuniversitäten unverhohlen mit dem Motto "faster growth, less conflict" wirbt. 

Die erste Zone im Süden des Landes samt Tiefseehafen ist in Planung, eine zweite soll bald im Gebiet der afrokaribischen Garifuna an der Nordküste von Honduras entstehen.
Während Tausende in ganz Honduras Woche für Woche gegen Korruption und die systematische Straflosigkeit protestieren, beherbergte das Land im August 2015 eine "Weltkonklave" für nahezu reglementierungsfreie, internationale Bergbauinvestitionen und will in Sachen "Green Economy", also der Produktion vermeintlich "sauberer" Energie für den kontinentalen Markt mit Hilfe von Staudämmen und Windparks ganz vorne mitmischen. 

Unser Seminar fragt nach Zusammenhängen und Hintergründen, vor allem auch nach der Mitwirkung deutscher "Entwicklungspolitik" und der Beteiligung hiesiger und europäischer transnationaler Konzerne. In einem weiteren Schritt sollen Strategien des kleinbäuerlichen und indigenen Widerstandes beleuchtet und die Wirksamkeit internationaler Vernetzung und Solidarität kritisch überprüft werden - woraus im Idealfall Ideen und Handlungsoptionen für weiteres Engagement hier vor Ort entstehen. 

Die Organisator_innen des Seminars pflegen seit Jahren enge Kontakte zu sozialen Basisorganisationen in Honduras; seit 2010 entsenden wir regelmäßig Delegationen zur Recherche und zum Schutz gefährdeter Aktivist_innen dorthin; ebenso regelmäßig reisen Aktivist_innen z.B. des Rates von indigenen und Volksorganisationen COPINH oder Umweltaktivist_innen der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ) hierher, um über ihre Kämpfe zu berichten und Solidariät mit unseren Aktionen hier im Norden zu zeigen.

Referentinnen:
Magdalena Heuwieser: Autorin des Buches "Grüner Kolonialismus in Honduras. Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons" (Wien 2015); engagiert in der Bewegung für Ernährungssouveränität, Mitarbeiterin eines Netzwerkes gegen die "Finanzialisierung der Natur". 
Paula Lochte: befasste sich im Rahmen ihres Studiums der Politikwissenschaft an der FU Berlin u.a. mit den ideologischen Fundamenten des Konzeptes der Modellstädte und arbeitet derzeit an einer vergleichenden Studie zum "Greengrabbing" und der Verteidigung indigener Territorien in Honduras und Mexiko.

Organisator_innen: Öku-Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V. München, Menschenrechtskette - Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO), Berlin, HondurasDelegation DeutschlandÖsterreich, BUKO

Ort: Berlin, Ort wird in Kürze bekanntgegeben.
Termin: 15.10.2016
Teilnahmebeitrag: 0-20 Euro nach Selbsteinschätzung
Anmeldung: ab sofort unter mail@buko.info
Das Seminar wird finanziell gefördert durch die Rosa Luxemburg Stiftung.

Veranstaltung in Düsseldorf - ¡Berta Vive!/Berta lebt! – Gedenken an Berta Cáceres

Donnerstag, 1.9.2016, 19.30 Uhr, 
Film „La Voz del Gualcarque/Die Stimme von Gualcarque” (Spanisch mit deutschen Untertiteln), 
Diskussion mit der Regisseurin Paola Reyes, Gedenken und Protest  
Buchhandlung BiBaBuZe, Aachener Str.1, Düsseldorf

Die indigene, anti-kapitalistischen Umweltaktivistin und Feministin Berta Cáceres aus Honduras wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 von Auftragskillern ermordet. Berta hat uns 2012 in Düsseldorf besucht und von ihrem Kampf berichtet. Daher wollen wir, die Veranstalter von damals, ein halbes Jahr nach diesem politischen Mord, an Berta erinnern, über ihre Anliegen informieren und ihre Organisation COPINH (Rat indigener und sozialer Organisationen Honduras) in ihrem Kampf unterstützen.

Im Beisein der Regiseurin Paola Reyes zeigen wir den Dokumentarfilm „La Voz de Gualcarque/Die Stimme von Gualcarque“. Er begleitete ein Jahr lang die in COPINH organisierten indigenen bäuerlichen Gemeinden der Region Rio Blanco in ihrem Kampf gegen den Bau des Staudamms Agua Zarca. Der autoritär und gewaltsam durchgesetzte Staudamm, an dessen Bau mit Siemens und VoithHydro auch zwei deutsche Unternehmen beteiligt sind, raubt den Gemeinden ihr Land und bedroht ihre Lebensgrundlage. Er soll billigen Strom für Bergbauprojekte erzeugen, die den Menschen weiteren Raub und weitere Zerstörung bringen würden. Der Film dokumentiert, wie die Gemeinden gemeinsam mit COPINH und Berta Cáceres mutig und einfallsreich ihr Land und ihre Rechte verteidigen, den Bau um mehr als ein Jahr aufhalten, und den Ausstieg der chinesischen Baufirma SINOHYDRO erreichen. Er thematisiert aber auch die fortgesetzte Repression gegen die Gemeinden und COPINH.

Diese Repression hat Berta, COPINH und den indigenen Gemeinden einen hohen Preis abverlangt: Immer wieder werden sie bedroht und angegriffen. In den letzten Jahren wurden neben Berta fünf weitere Aktivist_innen ermordet. Die Gemeindeaktivistin Lesbia Yaneth Urquía wurde am 6.7.2016 ermordet. Berta und ihre Familie erhielten immer wieder Drohungen. Sie wurde mit Anklagen und Ermittlungen überzogen, diffamiert und inhaftiert. Hinter ihrem Mord stehen neben DESA, der Betreiberfirma von Agua Zarca, und dem honduranischen Militär auch die Machteliten des Landes. Diese versuchen weiterhin, die vollständige Aufklärung des Mordes zu verhindern.
Nach dem Film folgt ein Gespräch mit der Regisseurin Paola Reyes. Außerdem wollen wir in geeigneter Weise an Berta erinnern und den Kampf von COPINH mit einer kleinen Aktion unterstützen.

Eine Veranstaltung von ¡Alerta! – Lateinamerika Gruppe Düsseldorf, Attac Düsseldorf, Buchhandlung BiBaBuze, Nicaragua-Verein Düsseldorf, Pax Christi Düsseldorf und der Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen – mit freundlicher Unterstützung des Eine-Welt-Beirats der Landeshauptstadt Düsseldorf

mehr infos unter:
http://alertaduesseldorf.blogsport.de/2016/07/24/1-9-berta-viveberta-lebt-gedenken-an-berta-caceres/

 

 

Freitag, 5. August 2016

UNTERSTÜTZE DIE KOMUNITÄREN RADIOSENDER DES COPINH - VERSTÄRKEN WIR UNSERE STIMMEN!




Wer nicht über die Plattform generosity.com spenden kann/will, kann sich bei info@comppa.org über andere Wege und Möglichkeiten der Unterstützung erkundigen.
 
Um die Arbeit auf dem Gebiet der Kommunikation zu stärken und angesichts der fortdauernden Repression und Aggressionen gegen den Zivilen Rat der Basis und indigenen Organisationen von Honduras (COPINH) durch den honduranischen Staat und nationale und transnationale Unternehmen, ruft der COPINH, mit der Unterstützung von COMPPA, zu dieser Kampagne auf.


“Die Kommunikation ist eine Waffe der Bildung und Schulung. Sie erlaubt uns den Spielraum und die Vielfältigkeit um neue, an unsere Realität angepasste Dinge zu erschaffen. Die komunitären Radios zum Beispiel sind essentiell, da viele Leute in unserer Region nicht lesen und schreiben können. Darum stärken wir weiterhin diesen Prozess, da er lebenswichtig ist für den politischen Organisationsprozess des COPINH.”
Berta Cáceres, Generalkoordinatorin des COPINH, ermordet am 2. März 2016

Unsere erste Verteidigungslinie der Mutter Erde und unserer Rechte als Indigene ist DAS WORT. Durch die Radios des COPINH informieren, vervielfältigen, organisieren und sensibilisieren wir die Bevölkerung, um weiterhin die Umwelt und die indigenen Rechte zu verteidigen und die Anstrengungen dafür zu vereinigen. Durch die Ausübung unseres Rechtes auf Meinungs- und Informationsfreiheit verteidigen wir das Leben gegen die Zerstörung und Bedrohungen durch ökonomische Interessen und der räuberischen Politik.
Deshalb erheben und verstärken wir unser Wort und unsere Stimmen.

Aktuell hat der COPINH 4 Radiosender in FM und einen Radiosender in AM die Teil des Mittelamerikanischen Netzwerkes komunitärer, indigener, garifuna und feministischer Radios sind.

- La Voz Lenca FM
- La Voz Lenca AM
- Radio Guarajambala FM
- Radio la Voz del Gualcarque FM
- Radio la Voz de Opalaca

Um weiterhin informieren zu können und um die mediale Ausgrenzung zu durchbrechen, sind nun, nach fast 13 Jahren seit der Installation des ersten Radiosenders, ausgiebige Wartungsarbeiten und die Erneuerung und der Ausbau der Installationen notwendig. Zudem ist die Erweiterung unserer Kapazitäten und Kenntnisse und die Verbesserung der Qualität unserer Produktionen geplant.

Das gesammelte Geld wird eingesetzt fuer:
  • Wartung und Erneuerung der Installation und der Geräte in den Radios
  • Der Aufbau von zwei neuen Radiosendern
  • Weiterbildung von Komunitären Berichterstatter_innen des COPINH
  • Der Ausbau der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe zwischen den komunitären Radiosendern des Mesoamerikanischen Netzwerkes der komunitären, indigenen, garifuna und feministischen Radios
Deshalb laden wir dich ein, die Verteidigung der Mutter Erde und die Meinungsfreiheit zu unterstützen und diese Kampagne weiter zu verbreiten und/oder einen Beitrag zu leisten, damit die komunitären Radios des COPINH ihre Stimmen verstärken.
(Die Größe des Beitrags ist nicht wichtig, jeder nach seinen Möglichkeiten)



Freitag, 8. Juli 2016

Weitere Aktivistin des COPINH in Honduras ermordet



Von
 amerika21

Marcala, Honduras. Am Mittwoch ist in Honduras die Leiche der Aktivistin Lesbia Yaneth Urquía Urquía auf einer Müllhalde in der Nähe der Kleinstadt Marcala im Verwaltungsbezirk La Paz gefunden worden. Die 49-jährige Gemeindeaktivistin, die seit 2009 im Zivilen Rat der Indigenen und Volksorganisationen (COPINH) organisiert war, galt seit dem Vortag als verschwunden.

Donnerstag, 23. Juni 2016

Berta Cáceres stand auf der Todesliste des honduranischen Militärs, sagt ein früherer Soldat


Verfasst von Nina Lakhan, veröffentlicht am 21.06.2016 TheGuardian y ElDiario

Eine vom US Spezialkräften trainierte Einheit war mit dem Mord an der Umweltaktivistin, die im März umgebracht wurde, beauftragt, so ein ehemaliger Soldat, der nun um sein Leben fürchtet
Berta Cáceres, Mitbegründerin von COPINH © Goldman Environmental Prize
Berta Cáceres, die ermordete Umweltaktivistin, erschien auf einer Todesliste, die an eine von US-Spezialkräften trainierte Einheit des honduranischen Militärs verteilt wurde; Monate vor ihrem Tod, behauptet ein ehemaliger Soldat.

Nach Oberfeldwebel Rodrigo Cruz, 20, wurden Listen mit Namen und Fotos Dutzender von Aktivist*innen sozialer und Umweltbewegungen, an zwei Eliteeinheiten gegeben mit dem Befehl jeden von der Liste zu eliminieren.

Dienstag, 7. Juni 2016

Doku über COPINH



Doku-Video über die Organisation COPINH

Audio: Die Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres aus Honduras

Berta Cáceres erhielt seit Jahren Morddrohungen, weil sie in Honduras für die Rechte des indigenen Volkes und für Umweltschutz kämpfte. Anfang März wurde sie ermordet.

zum Audiobeitrag auf SWR2

Sonntag, 29. Mai 2016

Aufruf: HondurasDelegation 2016


Hintergrund
Die Menschenrechtslage in Honduras hat sich seit dem Putsch 2009 kontinuierlich verschlechtert. Eingeschränkte Pressefreiheit, Verfolgung und Bedrohung von Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen, Anwält*innen, LGTBI-Aktivist*innen und Umweltaktivist*innen gehören zum Alltag. Verletzungen der Menschenrechte werden durch strukturelle Schwächen und Korruption im Justiz- und Sicherheitsapparat sowie strukturelle Diskriminierung und Marginalisierung insbesondere von indigenen Bevölkerungsgruppen gefördert. Eines der größten Probleme in Honduras ist die Straflosigkeit, die sich sowohl auf die allgemeine schlechte Sicherheitslage auswirkt, aber besonders im Hinblick auf die Menschenrechtslage im Land fatal ist. Seit dem Putsch wird eine neoliberale Politik des Ausverkaufs der Ressourcen des Landes vorangetrieben, die vor allem die Landrechtsfrage in den Mittelpunkt stellt und zu permanenten Vertreibungen der ländlichen und indigenen Bevölkerung im ganzen Land führt. In Folge des Putsches haben Gesetzesänderungen dazu geführt, dass über 500 Konzessionen für Bergbauprojekte und Wasserkraftwerke vergeben wurden. Die Vergabe der Konzessionen findet ohne Zustimmung der betroffenen Bevölkerung statt und die von Honduras 1995 ratifizierte ILO-Konvention 169 zum Schutz der indigenen Bevölkerung wird nicht eingehalten. Indigene und ländliche Gemeinden kämpfen um den Erhalt ihrer Lebensgrundlage, d.h. um Land und Zugang zu Wasser. Dabei sind sie der Willkür von Unternehmen und staatlicher Repression ausgesetzt. Ein Beispiel der extremen Kriminalisierung und Repression ist der Widerstand der indigenen Organisation COPINH gegen das Staudammprojekt Agua Zarca, infolge dessen im März dieses Jahres die Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres von COPINH ermordet wurde. Indigene Bewegungen und Menschenrechtsaktivist*innen in Honduras benötigen heute mehr denn je zuvor eine internationale Öffentlichkeit und internationale Solidarität, um einen Mindestschutz vor der Willkür des Staates zu bekommen.

Die Lernreise:
Mit der Lernreise soll eine freundschaftliche und persönliche Basis zwischen journalistischen und gesellschaftlichen Multiplikator*innen in Deutschland und unterschiedlichen Akteur*innen der sozialen Bewegungen in Honduras geschaffen bzw. vertieft werden.  Eine langfristige solidarische Zusammenarbeit soll gefestigt werden, um sich gemeinsam für eine gerechte Welt im Süden wie im Norden einzusetzen.
Die Reise soll dazu beitragen, in Deutschland über die Menschenrechtslage zu informieren. Als Ergebnis der Reise sollen Artikel, Publikationen und eine Fotoausstellung entstehen. Die Teilnehmenden werden auf öffentlichen Veranstaltungen über die Situation berichten und das Recherchematerial bearbeiten und veröffentlichen.

Wir suchen:
-        Menschenrechtsaktivist*innen, Umweltaktivist*innen, Anwält*innen, die an Themen der indigenen Bewegungen, Landrechte, Großprojekte interessiert sind und nach der Reise öffentliche Veranstaltungen mit uns durchführen
-        Journalist*innen (Print, Radio, TV), die Beiträge der Reise veröffentlichen
-        Gruppen in ganz Deutschland, die Diskussionsveranstaltungen, Seminare und Workshops zur Menschenrechtssituation in Honduras organisieren
Voraussetzungen:
-        Interesse an Menschenrechtsarbeit
-        Interesse an politischer Berichtserstattung
-        Gute Spanischkenntnisse
-        Teilnahme an Vor- und Nachbereitungsseminaren (2 zweitägige Vorbereitungsseminare im Sommer und September 2016, 1 Nachbereitungsseminar im Februar 2017)
Kosten:
  • Flugkosten (evtl. gibt es einen Zuschuss für die Flugkosten)
  • ca. 700 EUR (Vor- und Nachbereitung, Aufenthalt im Land)

Mehr Informationen / Kontakt:
Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e. V.
Ansprechpartnerinnen: Andrea Lammers (Ökumenisches Büro, elsal@oeku-buero.de), Rita Trautmann (HondurasDelegation, rita-ded@gmx.net)

Mittwoch, 25. Mai 2016

Berta Cáceres in Koordination mit der Gemeinde San Antonio gegen das Wasserkraftwerk El Tigre

Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Land unter Strom - Staudämme - Millionengewinne auf Kosten von Menschen und Natur" von Zwischenzeit-Münster. 2006